Unsere Igel,
sind mittlerweile leider stark bedroht. Sterile Gärten, Mähroboter und ein schrumpfendes Nahrungsangebot, sowie herausfordernde Klimabedingungen, setzen unseren stacheligen Freunden sehr zu. Es ist an uns, sie zu unterstützen, ohne zu sehr in das Leben der Wildtiere einzugreifen. Gärten naturnahe zu gestalten ist die einfachste und wirkungsvollste Methode, um dies zu schaffen. Dort finden Igel genügend Nahrung und Versteckmöglichkeiten, um Jungtiere großzuziehen und sie gesund über den Winter zu bekommen.
Doch nicht jeder hat Freude an dem Anblick eines wilden Gartens, was vollkommen legitim ist. Menschen sollen sich in ihrem Garten wohlfühlen. Sie sollen rausgehen und genießen, worin sie Zeit und Geld investiert haben. Ein gut umsetzbarer und annehmbarer Kompromiss wäre, unserer Meinung nach, ein kleines wildes Eck, das man nicht direkt sieht - der Ästhetik wegen vielleicht hinter einem hübschen Sichtschutz verborgen. Tatsächlich können wenige Quadratmeter naturbelassenes Fleckchen schon sehr hilfreich sein und einem Igel und seiner Nahrungsquelle einen guten Lebensraum bieten. Eine Wildblumenwiese mit heimischen Pflanzen zum Beispiel, oder eine Benjeshecke. Auch kann man Igel mit der zeitweisen Fütterung mit RICHTIGER Nahrung!! etwas unterstützen und Versteckmöglichkeiten zur Überwinterung in Form von Laubhaufen und Igelhäuschen zur Verfügung stellen.
Was das richtige Futter angeht. Entgegen der Annahme vieler, sind Igel reine Fleischfresser. Äpfel beispielsweise knabbern sie nur an, um an die Würmer zu kommen, die sich darin verstecken. Auch dass Igel Schnecken zum Fressen gern haben, ist ein Trugschluss. Sie fressen sie nur, wenn sie keine andere Wahl haben. Die Parasiten in den Schnecken können für einen Igel (besonders einen geschwächten) tödlich sein. Fressen Igel also Schnecken, oder kommen tagsüber heraus, ist das ein Zeichen dafür, dass sie nicht genug Nahrung finden. Optisch erkennt man das beispielsweise an einem starken Zecken- und Parasitenbefall, sowie an einem auffälligem Knick, zwischen Körper und Kopf.
Auf dem Bild seht ihr den Knick sehr deutlich. Achtet auf Warnzeichen - optische, wie verhaltenstechnische. Aber Obacht! Kommt im Herbst ein Jungigel am Tag heraus, sieht jedoch gesund aus, bitte nicht gleich aus dem Garten entnehmen. Da kleine Igel sehr süß aussehen, schaltet sich bei uns prompt der Beschützerinstinkt ein. Doch bevor wir dem nachgeben, heißt es erst einmal beobachten. Ist die Mutter noch da, säugt sie womöglich noch? Nehmen die Igel in einer Woche zu? Wenn das der Fall ist, bitte die Finger von den Igeln lassen. Sie sind Wildtiere und zäher, als es auf den ersten Blick scheint. Erst wenn man nach Tagen der Beobachtung bemerkt, dass all das nicht zutrifft und der Igel abzunehmen beginnt, heißt es handeln.
Jungigel benötigen in der Regel mindestens 600 bis 800 g, während erwachsene Tiere idealerweise 900 bis 1000 g oder mehr wiegen sollten. Ein Gewicht von unter 500 g (optisch kleiner als eine Mango) bei Winterschlafantritt gilt als kritisch und erfordert menschliche Hilfe.
Heuer hatte es bereits Anfang Oktober unter 5 Grad und eine Bekannte von uns fand in der Zeit drei Igelbabys, die etwa 160 Gramm wogen. Die Igelhilfe hatte ihnen geraten, dass sie die Igel mit ins Haus nehmen und versorgen sollten, da die Igeljungen in dem Jahr sehr spät geboren wurden. Das konnte man auch an den, bis an die Grenzen gefüllten, Igelstationen sehen. Da sich unsere Bekannte nicht in der Lage sah die Igel aufzuziehen, erklärten wir uns dazu bereit die Herausforderung anzunehmen. In der Theorie wussten wir schon viel darüber, doch es selbst zu versuchen, war nochmal eine ganz andere Baustelle.
Ende Oktober 2025: Naja und da sind wir nun. Aus alten Küchenschränken haben wir eine kleine Igel-Aufpäppelungsstation gebaut. Sie steht im Moment in unserer - mit Infrarotpanelen auf 20 Grad geheizten - Holzhütte. Bisher hat das Aufpäppeln gut geklappt und unsere Igeljungen Tom, Lilly und Mimi nehmen seit der Übernahme schön langsam und gemächlich zu, so wie es sein soll. Vorsicht! Igel zu schnell hochzupäppeln, kann schlimme Folgen haben. Ihre Stacheln und Organe schaffen es nicht so schnell mitzuwachsen. Im Folgejahr würden sie krank werden und zudem Angreifbar für Fressfeinde, aufgrund der mangelnden Zahl an Stacheln. 10 Gramm in 24 Stunden, mehr sollen sie also nicht zunehmen, bis wir sie Ende November in den kontrollierten Winterschlaf schicken.
In einem Freigehege mit Igelhäuschen werden wir sie dann bis Ende April überwintern. Danach werden sie nochmal ein bis zwei Wochen hochgepäppelt, bevor wir sie in ihr neues Zuhause entlassen. Dort wird ihnen in den ersten Tagen noch etwas Futter bereitgestellt, bis sie sich selbst ihren Weg in ein selbstständiges Leben suchen.
Die drei Igel werden übrigens schon vor dem Winterschlaf getrennt, da sich Igel ab einem gewissen Alter nicht mehr vertragen. Deswegen auch die Aufteilung auf verschiedene Naturgärten. So kommen sie sich nicht mehr in die Quere.
Sollte uns die Igelaufzucht gelingen, werden wir es auch im nächsten Jahr machen, und auch die Jahre darauf, um die Igelstationen zu entlasten. Sie sind dankbar für jeden, der ihnen etwas Arbeit abnimmt. Mal sehen wohin uns die Igelpflege noch führt. Womöglich wird daraus irgendwann noch etwas Größeres. Drückt uns die Daumen.
Zum Abschluss möchten wir hier noch der lieben Gabi von der Igelhilfe Österreich danken. Sie steht uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Mit ihrer Herzlichkeit und Kompetenz hat sie uns die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen gegeben, um die Igelaufzucht zu wagen. Wie alle Igelstationen ist auch sie im Moment restlos überlastet und trotzdem nimmt sie sich so viel Zeit, wie sie kann, um Igeln zu helfen, derer sie sich nicht selbst annehmen kann.
Wir mussten leider die Erfahrung machen, dass manche "Igelstationen" mit Ratschlägen daherkommen, die absolut falsch sind. Die Station auf die wir uns beziehen, wollen wir hier nicht nennen. Aber auf die Frage, ob wir das Kittentrockenfutter einweichen sollen, kam nur ein patziges: "Sind wir etwa im Seniorenheim?" Zudem wurde uns geraten Honig ins Wasser zu tun (Ein absolutes NOGO!!!!") und rein Katzentrockenfutter zu verwenden. Das kam uns komisch vor, weshalb wir eine zweite Meinung eingeholt haben und ja, dabei sind wir auf Gabi und ihren Verein gestoßen. Zum Glück für unsere drei Findelkinder.
Im folgenden findet ihr einen Link zu Gabis Igelstation "Igelhilfe Österreich". Hilfe und Spenden werden gerne angenommen, und sind sogar dringend nötig. Wenn es auch nur Zeitungen sind - denn von diesem, am besten geeigneten, "Nistmaterial" zur Aufzucht, gehen Unmengen drauf, das sehen wir selbst.
Kontaktiert die Igelhilfe Österreich, fragt wie ihr helfen könnt und lasst für Gabi und ihre Helfer ein wenig Liebe da. Sie haben das verdient.
Liebe Grüße
Ah ja, im folgenden hat Willi noch etwas für die ganz Kleinen. Kleine Igel schlafen gern. Ein Lied, das er ständig vor sich hin trällert. Auch findet ihr Bilder zu der Aufzucht von Tom, Lilly und Mimi. Sie sind so süß ... aber halt! Auch wenn man sie am liebsten knuddeln würde, Igel bitte nur zur Versorgung anfassen(Wiegen beispielsweise)! Es sind und bleiben Wildtiere! (Ausgesprochen zuckersüße Wildtiere, hach ... )












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