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Weil auch der Kleinste eine Stimme verdient hat

Faszination Orcas

  • Immer zum Rumtollen aufgelegt
  • Teamwork bei der Jagd
  • Orcas auf Robbenjagd am Strand
  • Als käme er aus dem Nichts
  • Schwimmender Orca
  • Geübte Strandung

Orcas tragen Hüte, sie benutzen Werkzeuge, und die Omas haben in der Familie die Hosen an.

Nicht gewusst? Dann wird euch der Beitrag bestimmt interessieren.

Orcas sind die größten Delfine der Welt, und zählen somit zur Familie der Wale. Den Namen Killerwal haben die Orcas ihrem Jagdverhalten zu verdanken. Steht man erst auf ihrer Liste, gibt es so gut wie kein Entrinnen mehr. "Ja, auch wenn's lieb ausschauen, sie sind halt Spitzenprädatoren, gell?"

Orcas leben und jagen in einer Familiengruppe; auch Schule, oder Pod genannt. Sie sind sehr soziale Tiere; heißt bei ihnen steht die Familie über allem. Orcamännchen beispielsweise bleiben ein Leben lang bei ihrer Mutter. Nur um sich zu paaren verlassen Männchen kurzzeitig den eigenen Pod, um ihren Genpool auszuweiten. Richtige Muttersöhnchen, also ... gibt's bei unseren Männern ja auch da und dort. :D

Wobei die "Muttersöhnchen" gut und gerne 9 Meter lang werden; und sechs Tonnen schwer. Männchen kann man am besten an der Rückenflosse von den Weibchen unterscheiden. Das Schwert (daher der Name Schwertwal), also die Rückenflosse kann bei einem Männchen bis zu 1,80 Meter lang werden. Sie verläuft gerade nach oben, während die Flossen von den Weibchen kleiner und leicht nach hinten gebogen sind. Auch werden die Weibchen nie sehr viel größer als 7 Meter. Individuell unterscheidbar sind Orcas am leichtesten an ihrem weißen Sattelfleck hinter der Rückenflosse. Dieser ist bei jedem Orca ein wenig anders. Auch gibt es verschiedene Orca-Typen - je nach Region - die sich in Größe, Zeichnung und Kopfform unterscheiden. 

Das älteste Weibchen einer Orca-Schule hat die Hosen an. Heißt, die Oma hat das Sagen! Bei einer Gruppe von 10 - 7o Tieren, hört alles auf ihr Kommando. Sie bringt mithilfe der älteren Weibchen den Jungtieren alles bei. Jagdtechniken und Sprache, wobei die Sprache entscheidend ist für das Funktionieren der Gruppe. Jede Orca-Schule hat ihren eigenen Dialekt, den außenstehende Orcas gar nicht verstehen können. Das ist eine Sache, die sie mit uns Menschen gemeinsam haben. Man stelle einen Österreicher, einen Holländer und einen Italiener zusammen in einen Raum. Da geht nur noch "Hands and Feed Talk" Und so ist es bei den Orcas auch, nur dass sie kaum Möglichkeiten zur alternativen Kommunikation haben. Aber, und auch hierbei ähneln sie uns sehr, sie können die Sprachen anderer Orcas erlernen. Krass, oder?

Auch dass Orcas aus verschiedenen Regionen verschiedene Jagdtechniken ausüben - je nach Nahrungsangebot - ist spannend. Diese Techniken werden den Jungtieren immer wieder gezeigt. Wie in einer Schule, müssen sie üben, üben, üben, bis sie sie perfekt beherrschen. Erst dann lässt die Oma sie an der aktiven Jagd teilnehmen. Tatsächlich hieß die älteste Orcadame, deren Alter sich aufgrund ihrer Nachkommen gut schätzen ließ, "GRANNY". Sie wurde über 100 Jahre alt. Interessant, wenn man bedenkt, dass Sea-World behauptet, Orcas in Gefangenschaft würden genauso alt, wie ihre wilden Artgenossen. (Also, da tut's scho a bissl flunkern, für die Kohle, liebe Sea-World Bagage.) Etwa 20 Jahre ist das Durchschnittsalter eines in Gefangenschaft lebenden Orca. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Orcas in freier Wildbahn liegt bei etwa 30 Jahren bei den Männchen und 50 Jahren bei den Weibchen. Während Männchen bis zu 60 Jahre alt werden können, erreichen weibliche Orcas in Einzelfällen bis zu 90 Jahre oder sogar mehr. Upsi, erwischt! Wie sehr sich die Delfinarienbetreiber doch die Zeit ohne Social Media zurückwünschen müssen.

Seltsamerweise finde ich das Video nicht mehr, aber eine weitere Äußerung eines Parkmitarbeiters in einem Interview war: "Orcas schwimmen im offenen Meer nur deshalb weite Strecken, weil sie nach Nahrung suchen müssen. Bei uns müssen sie das ja nicht, deshalb sind unsere Becken von der Größe her, vollkommen artgerecht." So ein Blödsinn. Ein Olympiabecken pro Tier ist artgerecht? Das sind 50 Meter Länge und 25 Meter Breite. Wenn man bedenkt, dass ein Orca ausgewachsen mindesten 7 Meter lang ist, ist das Pipifax. Nur zum Vergleich. Orcas können bei der Jagd eine Spitzengeschwindigkeit von 65 km/h erreichen, und am Tag bis zu 160 km zurücklegen. Selbst ortstreue Orcas schwimmen bis zu 50 km täglich. Nicht nur zur Jagd! Sondernd auch, um soziale Kontakte zu pflegen, und ihrem Bewegungsdrang nachzugeben; der enorm ist. 

Folgende Bilder zeigen die offensichtlichen Unterschiede zwischen Orcas in Gefangenschaft und Orcas in Freiheit.

Eine gebogen Rückenflosse ist das prägnanteste Merkmal eines Orcas, dem es schlecht geht. In der freien Wildbahn sieht man das nur bei kranken, oder gestrandeten Tieren; oder bei solchen, die ihre Familie verloren haben. Doch nicht nur die Rückenflosse vermittelt den Eindruck, dass mit den Orcas etwas nicht stimmt. Einfach alles an den Bildern fühlt sich falsch an. Wie kann man das Leid dieser Tiere nicht sehen? Ich begreife es nicht.

Leute, geht nicht in Delfinarien. Fördert diese grausame Industrie nicht, nur für das kurze, fragwürdige Vergnügen, traumatisierte Schwertwale zu sehen. Ihr habt es in der Hand. Nichts schadet der Wildtierindustrie mehr, als sinkende Verkaufszahlen.

  • Orcas beim Spielen
  • Orcashow
  • Orcas im Abendrot
  • Trauriger Hauptprotagonist des Filmes Blackfish. Tilikum in SeaWorld
  • Gesunde Orcagruppe
  • Orca Keto aus dem Loro Parque in Teneriffa
  • Freier Orca beim Sprung
  • Loro Parque in Teneriffa. Ketos schlechter Zustand ist offensichtlich

Emphatisch und gewitzt
So, genug über Delfinarien geredet. Immerhin gibt es über Orcas noch so viel Schönes zu berichten. Orcas haben eine komplexe Gefühlswelt, die durch intelligente Interaktionen und artübergreifendes, empathisches Verhalten sichtbar wird. Sie empfinden Freude, Angst, Wut und Liebe. Diese Emotionen sind stark ausgeprägt, und spiegeln sich vor allem im innerfamiliären Umgang wider.

Die Orcadame Tahlequah beispielsweise, hatte 2018 ein Kalb verloren und es daraufhin 17 Tage auf ihrem Kopf durchs Meer getragen. Ganze 1600 Kilometer legte sie dabei zurück. Die Nahrungssuche war ihr zu der Zeit nicht möglich. Sie wurde bei ihrem Trauerzug von ihrer Mutter begleitet, die sie so gut sie konnte, mit Nahrung versorgte. Der Rest der Gruppe schwamm voraus, jedoch immer in Hörweite. Dieses Jahr verlor Tahlequah wieder ein Kalb, und das Ganze begann von Neuem. Nur dass die Orcadame bei ihrem zweiten Trauerzug von ihrer Schwester und ihrem Sohn begleitet wurde, da ihre Mutter verstorben war. Ein tragisches Beispiel dafür, wie fürsorglich und emphatisch diese Tiere sind. Aber warum ist das so?

Es liegt an den Spindelzellen, auch Spiegelneuronen genannt. Durch sie können wir Menschen, uns in unser Gegenüber hineinversetzen. Sie machen uns empathisch und sensibilisieren uns für die Gefühle anderer. Orcas besitzen diese Zellen auch in großer Zahl. Sie hegen Mitgefühl. Es gibt Videos in denen Orcas auf Taucher, oder Boote zukommen, und vor ihnen ihre Beute fallen lassen.

Was die wirkliche Absicht dahinter ist, weiß keiner. Gut möglich, dass wir Menschen das Verhalten der Orcas romantisieren, weil wir glauben wollen, dass sie uns verstehen, und versuchen sich uns anzunähern. Aber wieso nicht? Wieso nicht in Betracht ziehen, dass sie in guter Absicht mit uns interagieren. Es ist ein schöner Gedanke, und solange wir nicht sicher wissen, was wirklich hinter ihrem Verhalten steckt, ist es nicht völlig ausgeschlossen.

Hier ein Video zu einem solchen Ereignis: Orcas versuchen Taucher Vögel anzubieten.

Und doch, auch wenn es ein schöner Gedanke ist, ich würde davon abraten, anzunehmen, was Orcas "anbieten". Distanz zu wahren ist das einzig Richtige in so einer Situation. Nicht der Menschen - sondern der Tiere wegen. Orcas bekommt der Kontakt mit Menschen nicht gut. Das hat die Vergangenheit oft genug bewiesen. Wildtiere sind und bleiben Wildtiere, egal wie empfindsam, intelligent, oder verspielt sie sind. Wir dürfen viel über sie lernen - uns an ihrem Anblick erfreuen - doch das sollte stets mit Respekt und angemessener Distanz passieren.

Darf man es geschehen lassen, wenn Orcas neugierig auf einen zukommen? Ich würde sagen ja, eine nahe Begegnung ist akzeptabel, wenn sie von den Tieren herbeigeführt wird, oder wenn die Tiere TATSÄCHLICH in Not sind (Beispiel Strandung). Ansonsten, nein. Für mich wäre das nicht in Ordnung. Wie seht ihr das? Ihr könnt im Gästebuch gerne eure Meinung dazu äußern. Ein Unterhaltung darüber, wäre sehr spannend.

Jetzt aber wieder zu den Orcas an sich. Bevor ich euch noch mehr erzähle, überlasse ich kurz Willi das Feld. Er hat tolle Videos für euch, die Schwertwale, super verständlich und nicht ausartend, vorstellen. Viel Spaß dabei.

Der Orca - Das intelligenteste Lebewesen der Meere

28 Fakten über Orcas

Selbstbewusst und stilsicher 

Noch eine Sache, die Schwertwale so besonders macht: Orcas können sich im Spiegel erkennen. Damit weisen sie eine kognitive Fähigkeit zur Selbsterkennung auf. Soll heißen: Sie haben ein Selbstbewusstsein. Studien haben gezeigt, dass Orcas ihr eigenes Spiegelbild erkennen und mit markierten Körperstellen interagieren. Nur wenige andere Tiere können das, wie beispielsweise Elefanten, oder gewisse Affenarten. Bei Orcas hat man diese Fähigkeit mit einem sogenannten Markierungstest festgestellt.

Markierungstest: In diesem Test wurden Orcas mit einer farbigen Markierung versehen. Sie untersuchten ihre markierten Körperstellen im Spiegel, was darauf hindeutet, dass sie die Markierung in ihrem Spiegelbild mit der Markierung auf ihrem eigenen Körper in Verbindung brachten. Sehr beeindruckend.

Womöglich sind sie deshalb so trendy unterwegs, und tragen Hüte. :D Nicht irgendwelche Hüte, versteht sich. Ein modebewusster Orca trägt LACHS. Ja, richtig gehört. Hier ein kurzer Bericht dazu.

Ist es ein Modetrend, oder bloß das Fehlen einer Lunchbox? Es sieht auf jeden Fall, ähm ... skurril? Ja nennen wir es skurril. Es sieht skurril aus.

Seht euch die Bilder an. Was meint ihr, wem der Hut besser steht? Orca Black Berry unten auf dem Bild, oder Robert Marc Lehmann, unser Mission Erde Guru? :P

Ausgeklügelte Jagdpraktiken

Im folgenden findet ihr ein paar kurze Videos zu den verschiedensten Jagdtechniken der Orcas. Und dabei stehen nicht nur Fische und Robben auf ihrem Speiseplan, sondern unter anderem auch Buckelwalkälber, Rochen, oder weiße Haie. Auch der Blauwal - das größte Tier der Welt - gehört zur Beute mancher Orca-Schulen. Orcas sind emphatisch, ja. Man hat sie auch schon andere Meeressäuger - außerhalb von Orca-Gruppen -  retten sehen, doch geht es um die Futterbeschaffung, sind sie unerbittlich zum Erhalt ihrer eigenen Familie. In den folgenden Kurzvideos ist das ersichtlich. Die Titel der Links bezeichnen, welches Tier gejagt wird. Die Jagdmethoden sind allesamt außergewöhnlich, aber nichts für zart besaitete Gemüter. Wir lieben Robben, Blauwale und Buckelwale, sehr sogar, aber so ist nun mal die Natur, und das müssen wir akzeptieren. Im Gegensatz zu uns, haben Raubtiere keine Alternative zu Fleisch.



Orca tötet weißen Hai

Orcas betäuben Heringe mit ihren Schwanzflossen

Orca lässt sich stranden, um junge Robben zu fangen

Orcas erzeugen gemeinsam eine starke Welle, um eine große Eisplatte zu brechen, auf der sich eine Robbe befindet. In meinen Augen die erstaunlichste Jagdtechnik.

Eine Gruppe Orcas tötet einen Blauwal, indem sie ihn ertränkt.


Orcas sind verspielt und neugierig

Das beweisen sie immer wieder. Auf Wale-Watching Touren wird oft gesagt, dass man leise sein soll, um auftauchende Orcas nicht zu verschrecken. Ingrid sagt da was anderes. Macht Lärm, klatscht, johlt. Orcas lieben so etwas. Sie wollen ein wenig action. Verständlich. Der Ozean wird nicht grundlos blaue Wüste genannt. Da ist oft wirklich nicht viel los. Also ist jede Abwechslung willkommen, und je wilder, umso besser.

Orcas greifen Boote an?

Dass Orcas in der Straße von Gibraltar mit Booten interagieren, ist vielen Wissenschaftlern zufolge Spielverhalten. Sie vermuten, dass es den Orcas gefällt, wenn sich auf den Booten was tut, und deshalb wiederholen sie das immer mal wieder. Dass bei einem sechs Tonnen schweren Tier, das spielen will, was zu Bruch geht, ist leider unvermeidbar. Dieses Verhalten zeigen ausschließlich die Orcas in der Region um die iberische Küste. Für die Segler dort ein großes Problem. Zum Glück ist bisher noch kein Mensch zu Schaden gekommen.

Andere glauben, dass ein Orca der Region ein traumatisches Erlebnis mit dem Ruder eines Segelbootes hatte, und deshalb wiederholt mit seiner Gruppe Ruderblätter "zerstört". Wenn man die Videos ansieht, erweckt es nicht den Eindruck, als würden die Tiere auf Zerstörung aus sein, weshalb das sehr unwahrscheinlich ist.

Orcas versenken Boote

NTV Reporter trifft auf iberische Orcas (mit Ingrid Visser)

Die Vermutung, dass die Orcas aus Rachegründen Boote versenken, weil die Menschen in ihr Habitat eindringen und ihre Nahrung stehlen (was stimmt), ist die unwahrscheinlichste, in meinen Augen. Würde eine Gruppe Orcas ein Segelboot ernsthaft versenken wollen, wäre es innerhalb von Sekunden vorbei. Eine Gruppe Tiere, von denen eines je 5-6 Tonnen wiegt, und eine Spitzengeschwindigkeit von 65 km/h erreicht, gegen ein Segelboot? Mehr muss man wohl nicht sagen.

Bleibt zu hoffen, dass die Orcas irgendwann das Interesse an diesen Interaktionen verlieren, und bis dahin niemand zu Schaden kommt.

Nicht nur für den Menschen, auch für die Orcas sind solche Zusammentreffen gefährlich. Manche Segler montieren lange Nägel auf den Rudern, schießen mit Pistolen, oder werfen Raketen ins Wasser. Dabei sind wir Menschen es, die in ein Gebiet eindringen, das uns nicht gehört. Dass uns der eine oder andere Meeresbewohner zeigt, wo unser Platz ist, ist doch eigentlich nicht verwerflich, oder?

Zum Abschluss noch ein paar schöne Bilder. Ich hoffe euch hat mein Beitrag gefallen, und ich konnte euch einen Eindruck davon vermitteln, wie wundervoll diese Tiere sind. Ihr könnt uns gerne im Gästebuch ein Herz für die Orcas dalassen. Auch ein Feedback, oder Ergänzungen, sowie Fragen, oder konstruktive Kritik sind erwünscht.

Alles Liebe und danke fürs "Zuhören".

Eure Orca-Närrin, Melanie.










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